So schützen Sie sich vor einem Wildunfall

Rehe auf einer Wiese laufen auf eine Straße zu.
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Bei der Polizei gehen Jahr für Jahr mehr als 200.000 Wildunfälle ein – rund 550 Autofahrer prallen pro Tag mit Wildtieren zusammen, pro Jahr kommen dabei rund 2.500 Personen zu schaden. Umso wichtiger ist es, Wildunfälle mit einer angemessenen Fahrweise möglichst zu vermeiden. In diesem Beitrag verraten wir, wie Sie sich vor den unliebsamen Kollisionen schützen können und was zu tun ist, wenn es doch einmal zum Unfall kommt.

Besonders aktiv in der dunklen Jahreszeit

Doch wann besteht für Sie eigentlich die Gefahr, mit einem Wildtier zusammenzuprallen? Prinzipiell kann es immer dazu kommen, auch wenn das Risiko an bestimmten Orten und zu gewissen Jahres- und Uhrzeiten deutlich größer ist. Da sich Wildschweine, Rehe und Co. im Dunklen wohler fühlen und auch schwerer zu erkennen sind, sollten Sie sich besonders in Herbst und Winter darüber bewusst sein, dass Wildtiere auf die Fahrbahn treten können. Gerade in der Abenddämmerung und in den frühen Morgenstunden sind die Tiere besonders aktiv.

Deswegen sollten Sie vor allem auf Straßen aufpassen, die an Feldern oder Wäldern entlang oder durch sie hindurchführen. Da Wildtiere zum Großteil Gewohnheitstiere sind und ihre bekannten Wege und Trampelpfade beibehalten, sind vor allem neu gebaute Straßen durch Wälder besonders „anfällig“ für Wildunfälle.

Wie schützen Sie sich vor Wildunfällen?

Förster wissen ziemlich genau, welche Routen das Wild in ihren zuständigen Gebieten einschlägt. An diesen stellen werden Warnschilder angebracht, die vor Wildwechsel warnen. Diese Hinweisschilder sollten Sie unbedingt beachten! Passen Sie also Ihre Geschwindigkeit an, beobachten Sie aufmerksam die Strecke und den Straßenrand vor Ihnen und seien Sie bremsbereit. Besonders ein angemessenes Tempo ist ausschlaggebend: Selbst bei 60 km/h prallt ein Wildschwein noch mit einer Kraft von 3,5 Tonnen auf Ihr Fahrzeug, außerdem verlängert sich bei zu hoher Geschwindigkeit der Bremsweg.

Sind Sie nachts unterwegs, ist es ratsam, das Fernlicht einzuschalten – natürlich nur, wenn Sie dadurch keinen anderen Autofahrer blenden. Durch das helle Licht erkennen Sie die Tiere besser, da die Augen der Tiere das Licht reflektieren und wie Rückstrahler wirken. Taucht dann allerdings ein Tier im Lichtkegel auf, heißt es: Fernlicht schnellstmöglich ausschalten, um es nicht zu Blenden (das führt zur Schockstarre), kontrolliert abbremsen und laut hupen, um das Tier von der Straße zu vertreiben. Wenn es dann wieder im Dickicht verschwindet, ist die Gefahr mitnichten gebannt. Da viele Wildtiere als Paar oder im Rudel unterwegs sind, besteht immer die Gefahr von Nachzüglern – fahren Sie also stets langsam weiter, wenn ein Reh oder Wildschwein am Wegesrand oder vor Ihnen auf der Straße aufgetaucht ist.

Kollision statt Ausweichmanöver

Taucht vor Ihnen ein Tier auf und ein Zusammenprall ist unvermeidbar, sollten Sie auf gar keinen Fall versuchen, auszuweichen. Das Risiko, die Kontrolle über Ihr Fahrzeug zu verlieren und in den Gegenverkehr zu geraten oder gegen einen Baum zu fahren, ist zu groß. Bremsen Sie stattdessen mit voller Kraft und halten Sie das Lenkrad gerade. Ein kontrollierter Zusammenstoß mit einem Tier zieht in der Regel weniger schlimme Folgen nach sich als eine unkontrollierte Kollision mit einem Baum oder anderen Verkehrsteilnehmern.

Anders sieht es hingegen bei Kleintieren wie Igeln, Füchsen oder Hasen aus. Experten raten hier, keine Vollbremsung durchzuführen, da der Gesetzgeber hier eine grundlose Vollbremsung erkennt. Sind Sie also für einen Auffahrunfall verantwortlich, weil Sie wegen eines Igels auf der Fahrbahn stark in die Eisen gegangen sind, wird Ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest eine Teilschuld zugesprochen – und Sie haben den Ärger mit der Versicherung am Hals. Außerdem stellt eine Kollision mit einem kleinen Tier für Sie keine allzu große Gefahr dar. Selbstverständlich sollten Sie Kleintieren ebenfalls nicht ausweichen, da die Folgen nicht absehbar wären.

Nach einem Wildunfall: Was tun?

Ist es zu einem Wildunfall gekommen, sollten Sie – falls nötig – unbedingt erste Hilfe leisten. Erst dann informieren Sie die Polizei und gegebenenfalls die Rettungskräfte über Ihren Unfall und geben den genauen Unfallort durch. Die Polizei wiederrum gibt dem zuständigen Jagdpächter Bescheid, der bei Wildunfällen ebenfalls zurate gezogen werden sollte. Ist das angefahrene Tier tot, ziehen Sie es unbedingt zum Straßenrand, damit keine Folgeunfälle geschehen. Tragen Sie dabei wegen der Tollwutgefahr unbedingt Handschuhe oder nutzen Sie ein anderes Hilfsmittel. Ist das Tier verletzt, sollten Sie sich diesem nicht nähern, da es sich wehren und Sie dadurch verletzen könnte. Achtung: Angefahrene Tiere dürfen Sie auf keinen Fall vom Unfallort entfernen, da Sie sonst eine Anzeige wegen Wilderei riskieren.

Nach dem Eintreffen der Polizei protokollieren die Beamten den Schaden und führen am Fahrzeug und in der näheren Umgebung eine gründlichen Spurensuche durch – gerade bei geflüchtetem Wild sollten auch Fotos gemacht werden, um den Unfallhergang später bei der Versicherung beweisen zu können. Im Anschluss erhalten Sie von der Polizei bzw. vom Jagdpächter eine sogenannte Wildschadenbescheinigung, die Sie für Ihre Versicherung benötigen.

Welche Versicherung kommt für Schäden nach einem Wildunfall auf?

Bei einem Wildunfall kommt in der Regel die Teilkaskoversicherung für entstandene Schäden auf. Doch Vorsicht: Die meisten Anbieter decken nur Schäden mit Haarwild ab. Dazu zählen unter anderem Rehe, Wildschweine oder Hirsche. Die Reparaturkosten nach Kollisionen mit anderen Tieren, wie beispielsweise großen Vögeln, werden von der Versicherung in solchen Fällen nicht übernommen. Informieren Sie sich daher, welche Schäden Ihre Teilkasko abdeckt und auf welchen Kosten Sie im Fall der Fälle selbst sitzen bleiben. Weichen Sie einem Tier aus und es kommt zum Schaden, greift die Teilkasko normalerweise nicht. Sie können allerdings einen Aufwendungsersatz einfordern – jedoch nur, wenn der drohende Schaden ohne Ausweichmanöver größer wäre als das freiwillig eingegangene Schadensrisiko.

Können Sie den Unfallhergang nicht beweisen, da Ihnen beispielsweise die Wildschadenbescheinigung fehlt oder es zum Schaden kam, während Sie einem Tier ausgewichen sind, es dafür aber keinen Zeugen gibt, wird es knifflig: Die Versicherung kann sich quer stellen und die Zahlung verweigern – außer, Sie haben eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen. Diese deckt alle Schäden ab, auch solche, die durch Selbstverschulden oder grobe Fahrlässigkeit entstanden sind. Rechnen Sie aber damit, dass Sie dann in eine ungünstigere Schadensfreiheitsklasse eingestuft werden.

Wenn Sie unsere Tipps beherzigen, stehen die Chancen allerdings gut, dass es gar nicht erst zu einem Wildunfall kommt und Sie sich die Abwicklung mit der Versicherung sparen können. Wir wünschen Ihnen eine gute Fahrt!