Reifenwechsel Schritt für Schritt: Darauf kommt es an

Männliche Hände wechseln einen Reifen an einem Auto

Alle Jahre wieder: Die veränderte Witterung im Frühjahr und Spätherbst bedeutet für die meisten Autofahrer einen kostspieligen Reifenwechsel in der Werkstatt. Dabei können Sie pro Jahr rund 100 Euro an Kosten sparen, wenn Sie Ihre Reifen selbst wechseln. In der folgenden Anleitung lernen Sie den Reifenwechsel Schritt für Schritt und erfahren, was Sie für eine sichere Fahrt beachten sollten. Auch hier gilt: Sicherheit geht immer vor! Bringen Sie Ihr Fahrzeug im Zweifelsfall lieber in die Werkstatt Ihres Vertrauens oder lassen Sie sich von Freunden oder Familie helfen.

Der erste Schritt: Passendes Werkzeug und ein sicherer Stand

Das A & O bei Ihrem Räderwechsel in der heimischen Garage oder Hofeinfahrt ist das ordentliche Werkzeug. Ausgestattet mit dem richtigen Equipment und unter Berücksichtigung unserer Tipps kann beim Reifenwechsel nichts schiefgehen. Folgendes Werkzeug benötigen Sie:

  • (Rangier-)Wagenheber und eventuell ein zusätzlicher Bock für mehr Stabilität
  • Radmutternschlüssel, Radkreuz oder eine große Ratsche mit passender Nuss für Ihre Radmuttern (besonders komfortabel wird der Wechsel mit einem Schlagschrauber)
  • Kreide zum Markieren der Reifen
  • Arbeitshandschuhe 
  • idealerweise Felgenbaum zur Einlagerung

Voraussetzung für einen sicheren Reifenwechsel ist ein stabiler ebener Untergrund ohne Gefälle. Um das Wegrollen des Wagens zu vermeiden, stellen Sie den Wählhebel beim Automatikgetriebe auf „P“ und legen beim manuellen Getriebe den ersten Gang ein und ziehen die Handbremse an.

 

1. Demontage der Räder

Jetzt kann’s losgehen! Ihren Wagenheber setzen Sie am Aufnahmepunkt an der Unterseite Ihres Fahrzeuges an, um die Schwellerkante nicht zu beschädigen. Vor dem Anheben beziehungsweise Aufbocken Ihres Wagens sollten Sie die Radmuttern oder -schrauben vorsichtig lösen (wichtig: noch nicht abschrauben!). Dafür beginnen Sie an einer beliebigen Stelle und lockern die Radmuttern mit einem Radkreuz oder einem Radmutternschlüssel gegen den Uhrzeigersinn. Eine halbe Umdrehung reicht oft schon aus. Jetzt können Sie Ihr Auto mit dem Wagenheber anheben, bis das Rad gerade so frei in der Luft hängt, die Radmuttern vollständig abschrauben und das Rad entfernen.

 

2. Pneus in Fahrtrichtung markieren

Nach dem Reifenwechsel ist vor dem Reifenwechsel: Mit einer Kreidemarkierung auf der Lauffläche („VL“ für „vorne links“, „HR“ für „hinten rechts“) behalten Sie den Überblick und wissen, wo die Räder nächstes Jahr wieder zu montieren sind. Wozu der Aufwand? Da die Belastung auf jeder Achse unterschiedlich ist, entwickelt jeder Reifen sein eigenes Abfahrbild. Um Risiken durch ein verändertes Fahrverhalten vorzubeugen, werden die Räder im nächsten Jahr wieder an derselben Stelle montiert – und wenn, dann seitengleich getauscht. Sprich: Der linke Hinterreifen kommt nach vorne links, der rechte Vorderreifen nach hinten rechts – Sie wissen, wie es weitergeht.

 

3. Auf Reifenschäden prüfen

Alles noch im Lot? Prüfen Sie Ihre Reifen und Felgen vor dem Einlagern akribisch auf typische Schäden. Hat die Flanke Risse? Ist die Lauffläche noch in Ordnung? Ist das Profil des Pneus gleichmäßig abgefahren und noch tief genug? Derlei Auffälligkeiten sind klare Anzeichen dafür, dass ein Reifentausch nötig ist. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm – wir empfehlen bei Sommerreifen jedoch mindestens 3 mm und bei Winterreifen mindestens 4 mm. Tauschen Sie Ihre Reifen also lieber früher als später, um sich eine Reifenpanne zu ersparen.

Tipp: Halten Sie zum Messen der Profiltiefe einfach eine 1-Euro-Münze zwischen die Lamellen. Liegt der goldene Rand nur knapp unter der Profiloberfläche oder ist sogar sichtbar, sind die Reifen bereits zu stark abgefahren und sollten unbedingt ausgetauscht werden.

 

4. Das richtige Einlagern

Reifen verlieren während der Einlagerungszeit ein wenig Luft. Deswegen sollte der Reifendruck vor der Einlagerung um 0,5 bar erhöht werden. Eine kleine Pflegerunde mit einem speziellen Reifenschaum oder -spray reinigt Ihre Pneus nicht nur, sondern erhöht auch die Elastizität und verringert die Versprödung während der Einlagerung. Kompletträder lagern Sie übrigens am besten an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort in einem Felgenbaum, der Druckstellen vorbeugt. Räder ohne Felgen werden grundsätzlich senkrecht stehend eingelagert. Sie sollten die Reifen alle paar Wochen um ein Viertel des Umfangs drehen, um einseitige Druckstellen zu vermeiden. Damit sind Ihre Pneus für die Lagerung bestens gewappnet!

 

5. Montage der neuen Reifen

Jetzt gilt es, Ihr Fahrzeug wieder fahrtüchtig zu machen! Vor der Montage lohnt sich eine kurze Reinigung der Radnabe. Mit einer Stahlbürste oder Felgenreiniger befreien Sie die Kontaktfläche von Schmutz und Rost, so lassen sich die Räder beim nächsten Wechsel leichter lösen. An dieser Stelle können Sie ebenfalls eine keramikhaltige Bremspaste auf die Gewinde der Radmuttern auftragen, um Korrosion und ein „Festfressen“ der Kontaktstellen zu vermeiden. Heben Sie das Rad auf die Radnabe und schrauben Sie die Radmuttern mit einem Radmutternschlüssel zunächst über Kreuz handfest an. Damit ist sichergestellt, dass die Felge gleichmäßig an der Radnabe anliegt und nicht im Gewinde verkantet. Jetzt können Sie Ihr Auto vorsichtig ablassen und die Radmuttern mit einem Drehmomentschlüssel fest anziehen. Als Richtwert gilt bei Alufelgen 90 Newtonmeter, bei Stahl hingegen 110 Newtonmeter.

 

6. Abschließende Überprüfung

Alle Räder sind sicher montiert? Dann sollten Sie zum Abschluss Ihrer Arbeiten noch einmal den Reifenluftdruck überprüfen und gegebenenfalls das Reifendruckkontrollsystem neu einstellen. Nach circa 50 km empfiehlt es sich, die Radmuttern nochmals anzuziehen und den Luftdruck zu prüfen. Geschafft – war doch gar nicht so schwer, oder? Nun wissen Sie, wie Sie Ihre Reifen selbst wechseln – und die jährlichen Kosten für die Werkstatt sparen. Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt zum Reifenwechsel? Als Faustregel gilt „von O bis O“, sprich von Ostern bis Oktober: Um die Osterzeit ist der Winter in Deutschland meist vorbei und die Temperaturen pendeln sich im ein- bis zweistelligen Bereich ein – ran an die Sommerreifen. Ab Oktober schlägt das Wetter wieder dauerhaft um und kann jederzeit einen plötzlichen Kälteeinbruch mit sich bringen – Zeit für die Winterreifen. Wir wünschen Ihnen eine gute und sichere Fahrt – egal, ob mit Sommer- oder Winterreifen!