Die Radarfalle – Fluch der Autofahrer

Nahaufnahme einer Radarfalle.

Ein rötlicher Blitz im Augenwinkel, der sofortige Ärger, der hastige Blick auf den Tacho – Sie kennen das vielleicht. Radarfallen sind für die meisten Autofahrer ein Dorn im Auge. „Wegelagerer und Abzocker“ schimpfen sie, die Polizei und die Gemeinden rechtfertigen die Kontrollen mit einer erhöhten Verkehrssicherheit. Seit mehr als 60 Jahren nutzt der Gesetzeshüter diese Möglichkeit, um Temposünder zu überführen. Wir klären Sie zu Themen rund um die Radarfalle auf – von der Funktionsweise über die fälligen Strafen bis hin zu kuriosen Fällen.

1957 fing alles an

Als Polizisten im Februar 1957 in Düsseldorf zwei große Kästen aus ihrem Wagen holen und am Straßenrand aufbauen, dürfte sich so mancher Autofahrer verwundert die Augen gerieben haben. Was ist das denn für eine merkwürdige Apparatur? Weniger später ist klar: Das Gerät, genauer gesagt das Radarmessgerät VRG 2, sollte das Zeitalter der Blitzer einläuten.

Vor diesem historischen Tag versucht die Polizei, Raser mittels einer abgesteckten Strecke und zwei Stoppuhren zu überführen – mit eher mäßigem Erfolg. Da sich in den 50er-Jahren immer mehr Leute ein Auto leisten können und sich immer öfter nicht an die gebotenen Geschwindigkeitsbeschränkungen halten, schießen die Unfallzahlen in jener Zeit in die Höhe. Aus Sicht der Polizei ist klar: Hier muss sich etwas ändern. Mit Inbetriebnahme des VRG 2 war dieses Ziel sodann erreicht. Der Gesetzeshüter war zufrieden, ganz im Gegensatz zu den erbosten Autofahrern, die sich fortan an das Tempolimit zu halten hatten, wollten sie keine empfindliche Strafe riskieren.

Welche Blitzer-Arten gibt es heute – und wie funktionieren sie?

Aus dem VRG 2 entwickelte sich eine Vielzahl an Geräte-Arten und Blitz-Techniken. Manche Geräte messen die Geschwindigkeit mit Induktionsschleifen in der Fahrbahn, andere anhand von Lichtschranken oder per Lasermessung. Die beliebteste Messtechnik ist aber nach wie vor die Radartechnik.

Sie funktioniert, indem das Radargerät auf einem bestimmten Straßenabschnitt elektromagnetische Wellen, also Radarwellen, aussendet. Sobald Sie diesen Bereich mit Ihrem Auto befahren, reflektiert Ihr Fahrzeug die Wellen und schickt sie zurück zum Gerät. Durch den dadurch entstehenden Doppler-Effekt verändern sich die elektromagnetischen Signale. Anhand von der Zeit und dem zurückgelegten Weg kann die Radarfalle nun berechnen, wie schnell Sie unterwegs sind. Überschreiten Sie die vorher festgelegte Geschwindigkeit, löst das Gerät den typisch roten Blitz aus – und Sie bekommen das überteuerte Passbild nach einigen Tagen per Post zugeschickt. Alternativ ziehen Polizisten Sie an der nächsten Stelle aus dem Verkehr, weisen Sie auf Ihr Vergehen hin und kassieren direkt das Bußgeld.

Die Radartechnik wird sowohl bei festen als auch mobilen Blitzern verwendet. Neben den stationären Blitzern, die fest an einem Ort installiert werden, sorgen vor allem mobile Blitzgeräte für großen Unmut. Gerade, wenn diese hinter Mülltonnen oder in Hecken versteckt werden, wittern viele erwischte Autofahrer einen Skandal und bezichtigen den Staat der Geldmacherei.

Was kostet eine Geschwindigkeitsüberschreitung?

Wie teuer Ihnen ein Verstoß gegen das Tempolimit zu stehen kommt, hängt davon ab, ob Sie das Vergehen inner- oder außerorts begangen haben – und natürlich, wie viel Sie zu schnell gefahren sind. Bis zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 km/h wird ein Verwarnungsgeld fällig, bei Überschreitungen darüber hinaus müssen Sie ein Bußgeld zahlen.

Innerorts beträgt das Tempolimit meist 30 oder 50 km/h, da Sie möglichst schnell reagieren müssen, wenn beispielsweise Kinder auf die Fahrbahn rennen. Dementsprechend fallen bei einer Überschreitung des Limits die Strafen hier höher aus:

  • Bis zu 10 km/h Überschreitung: 15 Euro
  • 10 – 15 km/h: 25 Euro
  • 16 – 20 km/h: 35 Euro
  • 21 – 25 km/h: 80 Euro, 1 Punkt
  • 26 – 30 km/h: 100 Euro, 1 Punkt
  • 31 – 40 km/h: 160 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
  • 41 – 50 km/h: 200 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
  • 51 – 60 km/h: 280 Euro, 2 Punkte, 2 Monate Fahrverbot
  • 61 – 70 km/h: 480 Euro, 2 Punkte, 3 Monate Fahrverbot
  • Mehr als 70 km/h: 680 Euro, 2 Punkte, 3 Monate Fahrverbot

Außerorts gelten folgende Regelungen:

  • Bis zu 10 km/h Überschreitung: 10 Euro
  • 10 – 15 km/h: 20 Euro
  • 16 – 20 km/h: 30 Euro
  • 21 – 25 km/h: 70 Euro, 1 Punkt
  • 26 – 30 km/h: 80 Euro, 1 Punkt
  • 31 – 40 km/h: 120 Euro, 1 Punkt
  • 41 – 50 km/h: 160 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
  • 51 – 60 km/h: 240 Euro, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
  • 61 – 70 km/h: 440 Euro, 2 Punkte, 2 Monate Fahrverbot
  • Mehr als 70 km/h: 600 Euro, 2 Punkte, 3 Monate Fahrverbot

Nach der Messung durch das Radargerät wird – um Ungenauigkeiten auszuschließen – ein bestimmter Toleranzwert abgezogen. Sind Sie mit unter 100 km/h unterwegs, werden stets 3 km/h vom gemessenen Tempo abgezogen. Fahren Sie schneller als 100 km/h, werden dagegen 3 Prozent des Wertes abgezogen.

Ihre Strafe entrichten Sie an die jeweilige Stadt oder Kommune, auf deren Grund und Boden Sie geblitzt wurden. Da die Städte und Kommunen so ihren Haushalt aufbessern können, ist der Vorwurf der Wegelagerei zumindest nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Vor allem der Fakt, dass seit 2013 überall geblitzt werden darf und nicht mehr nur an besonderen Gefahrenstellen (z.B. an Schulen und Altenheimen), lässt die Kritiker sauer aufstoßen.

Gibt es kuriose Fälle und besonders fleißige Blitzer?

Bestes Beispiel für die vermutete Abzocke der Autofahrer ist die B252 zwischen dem nordrheinwestfälischen Blomberg und dem hessischen Cölbe. Auf der Strecke befindet sich ein 23 Kilometer langes Teilstück, auf welchem 14 Blitzgeräte die Geschwindigkeit kontrollieren. Der Haken: Auf diesem Teilstück wird 30 Mal die Geschwindigkeitsbegrenzung geändert, teilweise mit wechselnden Gültigkeitszeiten – die Verwirrung ist also vorprogrammiert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Jährlich bescheren diese Radarfallen den Kommunen vor Ort Geldeingänge in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro.

Der fleißigste Blitzer steht übrigens an der A2 in Bielefeld. Der „TraffiStar“ blitzt bis zu 660 Mal am Tag – etwa alle zwei Minuten vermag der ein oder andere Autofahrer also vor Wut ins Lenkrad zu beißen. Die Stadt Bielefeld nimmt durch die Radarfalle rund 10 Millionen Euro jährlich ein. 2011 waren es nur knapp 5,7 Millionen Euro – zwischen Mai und August war das Gerät wegen Bauarbeiten allerdings außer Betrieb.

Können Sie sich vor Blitzern schützen?

Es ist nicht unverständlich, dass so mancher Autofahrer gegen den Blitzerwahnsinn vorgeht und sich Hilfe beim „Kampf gegen die Blitzer“ holt. Bestimmte Navigationsgeräte oder Apps fürs Smartphone dienen als Radarwarner. Die Anschaffung dieser Hilfsmittel ist erlaubt – die Verwendung jedoch ausdrücklich verboten! Werden Sie damit erwischt, kann die Polizei ein Bußgeld bis zu 75 Euro verhängen, zusätzlich wandern vier Punkte in Ihr Verkehrsregister in Flensburg.

Als besonders spitzfindiger Autofahrer nutzen Sie hingegen einen ganz anderen Trick, um den Radarfallen nicht zum Opfer zu fallen: Sie halten sich ans Tempolimit – und der rötliche Blitz im Augenwinkel gehört der Vergangenheit an.