Sicher mit Kindern im Auto: So finden Sie den richtigen Kindersitz

Baby in einem rosa Strampler sitzt im Kindersitz

Eigentlich sollte die Sicherung von Kindern während der Autofahrt selbstverständlich sein. Dennoch verunglücken jährlich 10.400 Kinder als Mitfahrer im Auto, weil sie nicht oder nur unzureichend angeschnallt waren. Viele Eltern unterschätzen das Verletzungsrisiko für Kinder während einer Autofahrt. Ohne Gurt ist ihr Risiko verletzt zu werden oder zu sterben siebenmal höher als das einen ungesicherten Erwachsenen. Das gilt für lange Urlaubsfahrten ebenso wie für kurze Touren zum Supermarkt. Für das Unterlassen gibt es daher keine Rechtfertigung – weder ein Tobsuchtsanfall auf der Rückbank noch sich selbst abschnallende Kinder dürfen ungesichert mitfahren. Der Verstoß wird mit einem Bußgeld von bis zu 40 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet. Wie Sie Ihren Nachwuchs im Auto richtig sichern, erfahren Sie hier.

Den richtigen Kindersitz finden

In der deutschen STVO ist festgelegt, dass Kinder unter 12 Jahren oder 1,50 Meter Körpergröße im Auto mit einem Kindersitz gesichert werden müssen. Ist eine der beiden Grenzen erreicht, kann Ihr Kind mit dem herkömmlichen Dreipunktgurt des Fahrzeugs gesichert werden. In der schieren Flut an Kindersitzen kann Eltern die Entscheidung für ein bestimmtes Modell schon einmal schwerfallen. Ein erster Hinweis ist das ECE-Prüfzeichen der Europäischen Union. Das orangefarbene Etikett zeigt die Prüfnummer, das zulässige Gewicht und die Herstellerangaben. Seit April 2008 dürfen nur noch Modelle mit der ECE-Norm 44/03 oder 44/04 verwendet werden – ältere Modelle sollten Sie keinesfalls kaufen.

Kindersitz kaufen: Alter, Gewicht & Größe beachten

Im nächsten Schritt auf dem Weg zum passenden Kindersitz sollten Sie Ihr Kind wiegen. Kindersitze gibt es für fünf Gewichtsklassen von unter 10 kg bis 36 kg, wählen Sie also aus den Gruppen 0 bis III die passende für Ihr Kind aus.

Weiterhin unterscheidet man zwischen rückwärts gerichteten Babyschalen (Gruppe 0/0+), vorwärts gerichteten Sitzen mit Fünfpunkt- und Dreipunktgurt (Gruppe I/II), Reboarder entgegen der Fahrtrichtung (Gruppe I/II) und Sitzerhöhungen (Gruppe III).

Neugeborene und Säuglinge bis 3 Monate sollten nur kurze Strecken im Auto transportiert werden. Die leicht gekrümmte Haltung durch die Babyschale kann unter Umständen zu Atemproblemen führen. Machen Sie daher ausreichend Pausen und beschränken Sie die Dauer der Fahrten in diesem Alter auf ein Minimum.

Gruppe Gewicht Alter
Gruppe 0 bis 10 kg ca. 9 Monate
Gruppe 0+ bis 13 kg ca. 18 Monate
Gruppe I 9 bis 18 kg ca. 9 Monate bis 4,5 Jahre
Gruppe II 15 bis 25 kg ca. bis 7 Jahre
Gruppe III 22 bis 36 kg ca. 6 bis 12 Jahre

 

Die verschiedenen Sicherungssysteme im Überblick

Die Arten und Funktionsweisen der Sicherungssysteme für Kinder sind vielfältig – hier finden Sie einen kurzen Überblick:

Babyschalen

Babyschalen werden entgegen der Fahrtrichtung eingesetzt. So wird die Belastung im Falle eines Frontalzusammenstoßes großflächig über den Rücken des Kindes abgeleitet. Dies ist wichtig, da die Halswirbelsäule der Kinder noch seObhr instabil ist und die Muskulatur zu gering ausgeprägt, um den Bereich zu stärken. Bei einem nach vorn gerichteten Sicherheitssystem würde der Kopf des Kindes mit voller Wucht nach vorn geschleudert, während der Körper durch das Gurtsystem an Ort und Stelle gehalten wird – das hätte schwerste Halswirbelverletzungen zur Folge.

Reboardsitze

Grade in den ersten Lebensjahren bietet sich dieses System für Rückbank und Beifahrersitz an. Ähnlich der Babyschale wird hier die Belastung für Kopf und Rücken reduziert, da die Kinder durch die umgekehrte Richtung beim Aufprall in den Sitz gedrückt werden. Achtung: Der Kindersitz darf nur auf dem Beifahrersitz genutzt werden, wenn der Front-Airbag deaktiviert oder nicht vorhanden ist.

Fangkörpersystem

Dieses System kann auf dem Beifahrersitz und der Rückbank eingesetzt werden. Der Fangkörper ist breiter als ein normaler Gurt und sorgt im Falle eines Aufpralls für eine niedrigere Druckbelastung des Kindes. Eine größere Oberkörperfreiheit bei diesem System reduziert zudem die Belastungen für den kindlichen Nacken. Dieser Sitz ist in vielen Fahrzeugen einsetzbar, wird von Kindern aber häufig als einengend und unbequem beim Schlafen empfunden.

Fünfpunktgurt-System

Dieses Gurtsystem wird auch Hosenträger-System genannt: Die an Hosenträger erinnernden Gurte verankern das Kind im Sitz während ein Beckengurt den Sitz mit dem Fahrzeug verbindet. Für einen zuverlässigen Schutz ist die korrekte Montage und Gurtführung extrem wichtig.

Dreipunktgurt-System

Diese Kindersitze werden durch den vorhandenen Erwachsenengurt festgehalten. Sie sind einfach in der Handhabung, sollten aber nicht bei Kindern unter 13 kg eingesetzt werden. Für schlafende Kinder ist dieses System vergleichsweise unbequem.

Sitzerhöhungen

Ältere Kinder bis 12 Jahre benötigen eine Sitzerhöhung, damit der Erwachsenengurt sich nicht nach oben verschiebt und ungünstig an Hals und Unterbauch liegt. Ohne eine solche Sitzerhöhung können bei einem Frontalaufprall schwerste innere Verletzungen die Folge sein.

i-Size

Eine neue Richtlinie aus dem Jahre 2013 besagt, dass die Kindersitze nicht mehr auf Basis des Gewichts gewählt werden sollen, sondern anhand der Körpergröße. Der Hersteller legt dabei fest, für welche Körpergröße sein Modell geeignet ist. Die Einteilung in Klassen wird damit überflüssig. Bis 15 Monate müssen Kinder grundsätzlich entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden (gilt nur für Kindersitze, die nach der neuen Richtlinie ECE-R129 zugelassen sind – beachten Sie das Prüfsiegel). Kindersitze die nach der ECE 44 zugelassen sind, können nach wie vor verwendet oder auch neuangeschafft werden. Bevor Sie sich für ein i-Size-Modell entscheiden, stellen Sie sicher, dass der Kindersitz für Ihr Fahrzeug geeignet ist.

Kindersitze: Das müssen Sie beachten

Ob Fangkörpersystem, Reboarder oder i-Size – mit dem richtigen Sicherungssystem tragen Sie ein großes Stück zur Sicherheit Ihres Kindes im Auto bei. Lassen Sie sich bei der Auswahl des Kindersitzes daher ausreichend Zeit und nehmen Sie unterschiedliche Beratungsangebote in Anspruch. Nur wer ausreichend informiert ist, kann eine fundierte Entscheidung treffen.

  • Gebrauchte Kindersitze sollten Sie nur aus dem Freundes- und Bekanntenkreis erwerben, da Beschädigungen nicht immer sichtbar sind, aber massive Auswirkungen im Ernstfall haben können.
  • Kindersitze sollten im Fachhandel gekauft werden – hier erhalten Sie eine eingehende Beratung und Einweisung in Funktion und Befestigung.
  • Nehmen Sie Ihr Fahrzeug beim Kauf eines Kindersitzes stets mit und probieren Sie das Modell auf dem Parkplatz aus.
  • Ihr Kind sollte den Sitz vor dem Kauf ausprobieren; ältere Kinder können ihre Wünsche beim Aussehen mit einfließen lassen.
  • Üben Sie den Einbau des Kindersitzes vor der ersten Benutzung; am besten unter Anleitung des Fachpersonals.
  • Lesen Sie die Bedienungsanleitung von Fahrzeug und Kindersitz sorgfältig durch.
  • Bei der Montage auf dem Beifahrersitz muss der Front-Airbag deaktiviert werden.
  • Prüfen Sie alle Befestigungen ruckartig vor Fahrtantritt.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie im schnellen Öffnen der Gurte geübt sind.

Ob Fangkörpersystem, Reboarder oder i-Size – mit dem richtigen Sicherungssystem tragen Sie ein großes Stück zur Sicherheit Ihres Kindes im Auto bei. Lassen Sie sich bei der Auswahl des Kindersitzes daher ausreichend Zeit und nehmen Sie unterschiedliche Beratungsangebote in Anspruch. Nur wer ausreichend informiert ist, kann eine fundierte Entscheidung treffen.