Männer oder Frauen – wer fährt besser Auto?

Ein Paar, er am Steuer, fährt lachend in einem silbernen Auto.
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„Mann am Steuer, Ungeheuer!“ oder „Frau am Steuer, das wird teuer!“ – Sprüche wie diese sind aus Diskussionen über die Fahrkünste von Männern und Frauen nicht wegzudenken. Die Frage, ob Männer oder Frauen besser Auto fahren, ist schließlich so alt wie die Erfindung des Autos selbst. Doch lässt sich diese Frage überhaupt seriös beantworten? Wir versuchen, in diesem Beitrag Antworten zu geben und diese einzuordnen. Vorab: Sie als Mann sollten beim Lesen stark sein!

Was bedeutet „besser fahren“?

Zuerst muss geklärt werden, was es bedeutet, gut oder „besser zu fahren als andere“. In Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder, mehr als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ Ein guter Autofahrer bzw. eine gute Autofahrerin fährt also stets rücksichtsvoll und verzichtet zur Not auch auf eigenes Recht, um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden.

Das Autofahren macht – neben dem technischen und praktischen Aspekt – also auch eine soziale Komponente aus, die berücksichtigt werden muss. Tendenziell gelten Frauen auf diesem Gebiet als „sozialer“ als die Männer, was auch eine Umfrage der „Infratest dimap“ aus dem Jahr 2014 unterstützt: 66% der Befragten waren davon überzeugt, dass sich Männer beim Autofahren aggressiver verhalten als Frauen.

Autofahrer haben öfter Schuld an Unfällen

Ein weiterer Ansatz, um ein gutes bzw. sicheres Fahrverhalten zu bewerten, ist die Auswertung tatsächlicher Unfallstatistiken. Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht jährlich Berichte über das Unfallgeschehen von Männern und Frauen, und besonders die Statistiken über die Hauptschuldigen eines Unfalls bieten interessante Ergebnisse.

So trugen im Jahr 2016 Männer, die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren, zu 57 Prozent die Hauptschuld. Frauen dagegen waren nur zu 53,2 Prozent verantwortlich, wenn sie Beteiligte eines Unfalls mit Personenschaden waren. Auch die Unfallfolgen, also die Schwere der Unfälle, deutet daraufhin, dass Autofahrerinnen sicherer unterwegs sind als ihre männlichen Kollegen: Wenn eine Frau Hauptverursacherin eines Unfalls war, haben sich bei 1.000 Unfällen im Schnitt 185 Personen schwer verletzt, sechs Personen starben. War ein Mann der Hauptschuldige des Unfalls, verletzten sich 209 Personen schwer, 12 Personen verstarben an den Folgen – also doppelt so viele wie bei Unfällen, die von Pkw-Fahrerinnen verursacht wurden.

Wie sieht es mit den Punkten aus?

Auch ein Blick in das Verkehrsregister in Flensburg bestätigt die erste Vermutung, dass Frauen sicherer und demnach besser Auto fahren. Am 1. Januar 2017 waren laut Aussagen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) insgesamt 10.099 Personen im Register aufgeführt. Ganze 7.704 von ihnen waren Männer – das entspricht einer Quote von knapp 76,3 Prozent.

Allerdings muss man den Herren der Schöpfung zugutehalten, dass die Zahlen des KBA eine Tatsache nicht beachten: Wer mehr fährt, kann auch mehr Fehler machen, die zu einem Eintrag im Register führen. Nachweislich legen Männer nach dem bestandenen Führerschein nämlich deutlich mehr Strecke zurück als die Frauen, das belegen zahlreiche Angaben verschiedener Versicherungen. Dennoch ist auch hier eine klare Tendenz nicht von der Hand zu weisen.

Verantwortungsbewusstsein am Steuer

In Sachen verantwortungsbewusstem Fahren sind die Frauen den Männern ebenfalls einen Schritt voraus. Dies spiegelt sich vor allem in der Statistik (Destatis für das Jahr 2016) über die Unfallursache wider: Bei Unfällen mit Personenschaden verursachten von 1.000 Beteiligten durchschnittlich 29 Autofahrer den Unfall aufgrund Alkoholkonsums, dagegen waren es nur acht Autofahrerinnen. Auch bei weiteren Ursachen wie „nicht angepasste Geschwindigkeit“ (94 zu 71) oder „zu dichtem Auffahren“ (113 zu 101) schneiden die Männer schlechter ab.

Die These der verantwortungsbewussten und aufmerksamen Pkw-Fahrerin stützt auch eine Umfrage des Mietwagen-Anbieters Sixt. Von 1.000 Befragten gaben 81 Prozent der Frauen an, dem anderen Geschlecht beim Fahren niemals hinterherzuschauen und sich stattdessen auf den Verkehr zu konzentrieren. Dagegen riskierten die Männer gerne mal einen Blick – 40 Prozent der Herren führten aus, bereits ein- oder mehrmals einer Frau am Steuer hinterhergeschaut zu haben.

Pauschalisierungen sind nicht angebracht

Fasst man all diese Statistiken und Aspekte zusammen, bestätigt sich also eher das Gesamtbild, dass Frauen tatsächlich „besser“ bzw. sicherer Auto fahren als Männer. Pauschal entscheidet das Geschlecht aber dennoch nicht, wer der bessere Autofahrer ist, da immer der Einzelfall betrachtet werden muss. In der Fahrschule werden Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme im Straßenverkehr gelehrt – und diese besuchen Männer wie Frauen schließlich gleichermaßen.

Falls Sie unabhängig von Ihrem Geschlecht etwas für Ihre Fahrsicherheit tun wollen, empfehlen wir Ihnen ein Pkw-Fahrsicherheitstraining im Fahrsicherheitszentrum Hockenheimring. Hier schulen unsere ausgebildeten Trainer Sie mit viel Spaß in den verschiedensten Fahrtechniken, um kritische Situationen im Straßenverkehr sicher zu meistern. Und falls Sie als Frau doch lieber unter sich bleiben wollen, bieten wir Ihnen mit dem Pkw-Frauen-Training die passende Gelegenheit dafür.

Ob Mann oder Frau – wir wünschen Ihnen in jedem Fall eine gute und sichere Fahrt!