Einparken: Geht es mit einem Assistenten einfacher?

Autokolonne in einer Reihe.

Schweißperlen auf der Stirn, unsichere Blicke, zitternde Hände – vielleicht gehört auch für Sie das Rückwärtseinparken nicht gerade zu den Lieblingsaufgaben im Straßenverkehr und treibt Sie an Ihre Grenzen. Findet die Einpark-Odyssee dann auch noch vor einem belebten Straßencafé inklusive hupendem Hintermann statt, geht oft gar nichts mehr. Die Autohersteller haben diesen Missstand erkannt und bieten deshalb seit einigen Jahren Parkassistenten verschiedenster Arten an. Doch lohnen sich diese wirklich – oder parken Sie „klassisch“ ohne Assistent immer noch am besten ein?

Wie parke ich rückwärts ein?

Ängste von dem Rückwärtseinparken sind in der Regel völlig unbegründet. Wenn Sie die übliche und in der Fahrschule beigebrachte Technik anwenden, kann im Normalfall nichts schiefgehen:

  1. Stellen Sie sicher, dass die Seiten- und der Rückspiegel Ihres Autos korrekt eingestellt sind – das hilft übrigens nicht nur beim Einparken! Im linken Seitenspiegel muss der hintere Türgriff unten rechts zu sehen sein, im rechten Seitenspiegel dementsprechend unten links. Im Rückspiegel müssen Sie durch die gesamte Heckscheibe sehen können.
  2. Vergewissern Sie sich während des gesamten Parkvorgangs, dass keine Fußgänger gefährdet werden.
  3. Nun geht es los: Finden Sie eine Parklücke, die mindestens 30 cm länger als Ihr Auto ist.
  4. Stellen Sie sich mit einem Abstand von etwa 50 cm parallel zum Fahrzeug vor der Parklücke.
  5. Fahren Sie gerade rückwärts, bis die B-Säule (an ihr sind die Anschnallgurte für die vorderen Sitze montiert) Ihres Fahrzeuges auf einer Höhe mit den Rückscheinwerfern des vorderen Autos ist.
  6. Schlagen Sie das Lenkrad nun voll nach rechts ein und fahren Sie so lange rückwärts, bis sich Ihre Frontscheinwerfer auf Höhe der Heckscheinwerfer des Vordermannes befinden.
  7. Schlagen Sie das Lenkrad nun voll nach links ein und fahren Sie weiter rückwärts.
  8. Wenn Sie in der Lücke stehen, stellen Sie die Reifen gerade und lassen Vorder- und Hintermann genügend Platz zum Ausparken.

 

Sie sehen also: Das Einparken ist kein Hexenwerk. Doch warum graut es vielen Autofahrern davor? Problematisch wird es, wenn Sie die Maße Ihres Autos nicht richtig abschätzen können oder Sie keine gute Sicht auf das Geschehen haben, sei es durch falsch eingestellten Spiegel, eine falsche Sitzposition oder ungünstig positionierte oder gar verschmutzte Scheiben.

Optische oder akustische Warnsignale

Parkassistenten lassen zwar keine dreckigen Scheiben in sauberem Glanz erstrahlen, – da müssen Sie schon selbst zu Wasser und Lappen greifen – dafür kommen mit ihrer Hilfe sogar die größten Parkmuffel in die kleinsten Lücken. Oder?

Parkassistenten gibt es in vielen Ausführungen, entweder vom Autohersteller bereits ab Werk integriert oder zum Nachrüsten für die heimische oder professionelle Werkstatt. Ob durch akustische Signale oder bewegte Bilder: Ziel ist es stets, dass Sie als Fahrer den Abstand zu Ihrem Vorder- und Hintermann besser einschätzen und überwachen können und somit weniger Hemmungen haben, unschöne Kratzer an Ihrem oder den anderen Fahrzeugen zu hinterlassen. Es werden drei Varianten unterschieden:

  • Akustische Parkassistenten bedienen sich der Ultraschall- oder Radartechnik. Bei erstgenannter Variante werden Ultraschallsensoren an den Stoßstangen montiert. Diese Sensoren, meist rund und in der entsprechenden Autofarbe lackiert, senden und empfangen Ultraschallsignale und überliefern die Daten an ein Steuergerät, das nun die Distanz von Ihrem Wagen zum Hindernis errechnet. Ein Piepton, der in immer rascher werdenden Abständen ertönt, je näher Sie dem Hindernis kommen, warnt vor unliebsamen Zusammenstößen. Die Radartechnik funktioniert nach einem ganz ähnlichen Prinzip, allerdings sitzt der Sensor nicht außen an der Stoßstange, sondern ist innerhalb der Karosserie verbaut.
     
  • Optische Parkassistenten gehen noch einen Schritt weiter und setzen auf die Überwachung per Kamera. Sobald Sie den Rückwärtsgang einlegen, schaltet sich die Kamera automatisch ein und zeigt Ihnen auf einem Display, was hinter Ihrem Auto geschieht. Farbige Hilfslilien deuten Ihren Fahrweg auf Basis des aktuellen Lenkradeinschlags an und helfen Ihnen so, zielsicher in die Parklücke zu navigieren. Manche dieser Modelle warnen Sie zusätzlich mit akustischen Signalen vor möglichen Lackschäden oder schlimmerem. Der Vorteil: Dank der Kamera sehen Sie auch tieferliegende Hindernisse wie Anhängerkupplungen oder kleine Poller. Diese werden durch die Ultraschall- und Radarsensoren nicht immer erkannt!
     
  • Selbstlenkende Parkassistenten sorgen für noch mehr Komfort beim Einparken. Autos mit dieser Variante haben weitere Messinstrumente – etwa an der Seite, um mögliche Parklücken bereits im Vorbeifahren auszumessen – und eine elektrisch-mechanische Servolenkung an Bord. Möchten Sie Ihr Auto in einer Parklücke abstellen, müssen Sie nichts weiter tun, als Gas zu geben und zu bremsen. Das Auto misst und errechnet die Abstände und schickt die Daten an die Servolenkung, welche den Lenkeinschlag vollautomatisch übernimmt. Kommandos im Cockpit zeigen an, wann sie Gas geben und bremsen müssen – et voila!

 

Klassisches Einparken vs. Parkassistent – wer gewinnt?

Parkassistenten erfüllen ihren Job, zweifelsohne. Für Autofahrer, die nicht gerne Einparken, sind sie eine willkommene Unterstützung. Autofahrer, die keine Probleme mit dem Einparken haben, verstehen den Sinn und Zweck der Assistenten dagegen meist nicht.

Es ist also wie so oft im Leben: Es kommt auf den persönlichen Geschmack an. Entweder gleiten Sie wie von alleine in die engste Parklücke – oder Sie lassen sich navigieren. Bedenken Sie aber, dass die Parkassistenten immer noch Ihr eigenes Zutun erfordern – zumindest rudimentäre Einparktechniken sollten also vorhanden sein. Außerdem kann es immer passieren, dass die Technik mal streikt. Auf dieses Szenario sollten Sie vorbereitet sein – ein saftiges Hupkonzert wäre beim nächsten Parkmanöver sonst vorprogrammiert.