Tipps und Hinweise fürs Autofahren im fortgeschrittenen Alter

Detailaufnahme der Hände eines alten Mannes welche auf einen Gehstock abgelegt sind.

Die kontroverse Diskussion kocht alle paar Monate wieder hoch: Sollten Senioren ab einer bestimmten Altersgrenze eine erneute Führerscheinprüfung ablegen müssen, um weiterhin Auto fahren zu dürfen? Grund für die Überlegung sind oft schwere Unfälle, die durch Senioren am Steuer verursacht werden. Dieser und weitere Punkte sprechen für eine erneute Prüfung, es gibt aber auch genauso Argumente, die dagegensprechen. Wir fassen beide Seiten kurz zusammen und geben Ihnen Tipps, wie Sie als Senior mit dem Auto sicher an Ihrem Ziel ankommen.

Wenn die Sinneswahrnehmungen nachlassen

Der Körper altert – das ist nur natürlich. Bewegungen, Sinneswahrnehmungen und sonstige Reaktionen verlangsamen und verschlechtern sich in fortgeschrittenem Alter zunehmend. Und da es im hektischen und lauten Straßenverkehr besonders auf das Seh- und Hörvermögen sowie auf eine schnelle Reaktionsfähigkeit ankommt, ist die Forderung nach erneuten Prüfungen nachvollziehbar. Zusätzlich sind Senioren ab 75 Jahren laut einer aktuellen Unfallstatistik ein signifikant höheres Unfallrisiko als der Durchschnittsfahrer.

Allerdings fällt es schwer, Sinneseinbußen einer bestimmten Altersgruppe zuzuschreiben. Es gibt 80-Jährige, die noch fit wie ein Turnschuh sind, während sich bei so manchem 55-Jährigen bereits starke Alterserscheinungen bemerkbar machen. Das Alter ist nur eine Zahl – entscheidend ist, wie Sie sich als Betroffener fühlen. Außerdem sind viele Senioren, gerade im ländlichen Raum, auf ihr Auto angewiesen. Ein Verlust würde einen erheblichen Einschnitt in das Privatleben darstellen, da Erledigungen – wie der Gang zum Arzt oder der Besuch der Enkelkinder – durch fehlende öffentliche Verkehrsmittel deutlich erschwert wären.

Wie und wann diese Diskussion ein Ende findet, steht in den Sternen. Für die Zwischenzeit – und natürlich auch die Zeit danach – haben wir Tipps, wie Sie als Senior(in) gut durch den Straßenverkehr kommen.

Nach Stillstand: Ausgiebiger Fahrzeug-Check

Da im fortgeschrittenen Alter die tägliche Fahrt zum Job oft entfällt, bewegen Senioren ihr Auto in der Regel unterdurchschnittlich oft. Je länger die Standzeit, desto gründlicher sollten Sie Ihr Auto begutachten und auf äußerliche Mängel überprüfen. Stimmt der Reifendruck, funktionieren Warnlichter, Scheinwerfer sowie die Scheibenwischer?

Für einen genaueren Check empfiehlt sich der Besuch der Werkstatt Ihres Vertrauens. Hier werden auch die nicht einsehbaren technischen Teile geprüft und bei Bedarf ausgetauscht. Besonders, wenn Sie Ihr Fahrzeug aus Respekt vor den Bedingungen im Winter nicht bewegt haben, ist ein Besuch in der Werkstatt eine gute Idee. Viele Betriebe bieten zu relativ günstigen Konditionen Rundum-Checks nach der kalten Jahreszeit an – fragen Sie am besten bei Ihrer Werkstatt nach!

Am Steuer: Nicht zu schnell, nicht zu langsam

Um ihre verminderte Reaktionszeit auszugleichen, fahren viele Senioren im Straßenverkehr oftmals eine Spur langsamer. Aber Achtung: Das stellt – genau wie das zu schnelle Fahren – eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar und wird mit einem Bußgeld von bis zu 20 Euro bestraft. Wenn Sie auf der Autobahn unterwegs sind und mit 80 km/h auf der Mittelspur das Rechtsfahrgebot missachten, kostet Sie das sogar bis zu 80 Euro und einen Punkt im Verkehrsregister in Flensburg.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Langsames Fahren stört den Verkehrsfluss, provoziert riskante Überholmanöver, auch Auffahrunfälle sind häufig die Folge. Sind Sie im Stadtverkehr oder außerhalb geschlossener Ortschaften allerdings in ordentlichem Tempo unterwegs und ein Drängler taucht hinter Ihnen auf, lassen Sie sich auf keine Spielchen ein und fahren bei der nächsten Gelegenheit rechts ran.

Beeinträchtigung durch Medikamente

Im hohen Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Sie auf Medikamente angewiesen sind. Gerade bei neuen Medikamenten oder einer neuen Dosierung ist es ratsam, beim Arzt wegen einer möglichen Fahruntauglichkeit nachzufragen. Einige Wirkstoffe machen müde oder haben eine aufputschende Wirkung – nicht die idealen Voraussetzungen für eine lange Autofahrt.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob sich die Therapie an Ihren Autofahrplan anpassen lässt. Sind Sie beispielsweise eher vormittags unterwegs, ist es eventuell möglich, Pillen mit einer ermüdenden Wirkung nachmittags oder abends einzunehmen. Natürlich kommt das auch immer auf Ihre spezielle Erkrankung an – Ihr Arzt wird Ihnen weiterhelfen können.

Einsicht und Vernunft zeigen

Dennoch ist eines klar: Wenn Sie merken, dass Sie im Alter schlechter sehen, hören oder sich anderweitig eingeschränkt fühlen, setzen Sie sich nicht auf Teufel komm raus ans Steuer – um Ihrer Sicherheit und derer der anderen Verkehrsteilnehmer willen. Oft ist die Fahrtauglichkeit nach einem Besuch beim Arzt wiederhergestellt – oder alternativ eine Therapie begonnen, mit deren Hilfe Sie bald wieder im Straßenverkehr unterwegs sind.

Fragen Sie Ihre Familie oder Bekannte um Unterstützung und schämen Sie sich nicht, deren proaktive Hilfe anzunehmen. Kritisch wird es, wenn Senioren trotz offensichtlicher Mängel nicht einsehen wollen, dass sie auf das Auto besser verzichten sollten. In solchen Fällen kann die Führerscheinstelle den Führerschein sogar einfordern und einbehalten, da sonst eine zu große Gefahr im Straßenverkehr bestehen würde. Deutlich besser sind vorzeitige Routine-Kontrollen, die dabei helfen, spätere Krankheiten zu erkennen und diesen vorzubeugen. Es empfiehlt sich, ab dem 50. Lebensjahr regelmäßig einen Check beim Haus- und Augenarzt durchzuführen, um auf Nummer sicher zu gehen.

PS: Auch im fortgeschrittenen Alter bereitet ein Fahrsicherheitstraining im ADAC Fahrsicherheitszentrum Hockenheimring Sie optimal auf die Anforderungen im Straßenverkehr vor. Machen Sie sich beispielsweise in einem Intensiv- oder Kompakt-Training mit Notmanövern vertraut und lernen Sie, im Straßenverkehr den vollen Durchblick zu behalten!